Swim & more 07/2009
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Heiße Positionskämpfe
im “Revier” von
“Familie Schwan”
Es war der erwartete Kampf mit dem “Eiswasser”. Vor allem beim Premierenrennen der Mixed-Staffel über 3 x 1.250 Meter. Bevor es aber soweit war, wurden die Masters (bei denen 114 Vereine 146 Meldungen für die fünf Kilometer und 153 für die halb so lange Distanz abgegeben hatten, was fast exakt die Zahlen der beiden vergangenen Jahre bedeutet) bei den Deutschen Meisterschaften im Freiwasserschwimmen in Lindau auf eine harte Probe gestellt, ehe sie sich zum Auftaktrennen über die 2,5-Kilometer-Distanz in die Fluten des ursprünglich mit 20,3 Grad Wassertemperatur gemessenen Bodensee im Schatten von Pfänder und Säntis stürzen konnten. Wahrscheinlich hatte das nasse Element beim Strandbad Eichwald ein wenig abgekühlt, nachdem ein Gewitter und heftige Regenschauer zunächst für einen Abbruch der fünf Kilometer bei der offenen Klasse (zum Glück nach nur wenigen Minuten des Rennens) gesorgt hatte. Zudem führte dies zu einer Verzögerung im Ablauf von gut 90 Minuten. Als dann das Startsignal für die Masters ertönte und diese auf die zwei Runden à 1.250 Meter geschickt wurden, regnete es noch immer ein wenig. Dafür brodelte es aber im Wasser umso mehr und es gab “hitzige” Positionskämpfe auf dem Dreieckskurs, der offenbar im “normalen Leben” das Revier einer Schwanen-Familie ist. Denn diese kreuzte immer wieder etwas verschreckt und entsprechend vorsichtig die Strecke.
Orientierungslos im Dreieckskurs
Nach 29:24,40 Minuten war der erste Masters-Starter dann im Ziel. Constantin Hützler (SC Oberursel) entschied in der AK 20 zudem das Familienduell für sich. Bruder Alexander Hützler kam nach 32:50,27 Minuten auf den dritten Rang. In der AK 25 ging der Titel darin an den dritten Teilnehmer aus dem “Hause Hützler”. Maximilian holte sich nach 32:51,99 Minuten den Titel. Anderntags gab es über die fünf Kilometer bei den “Jungspunden” erneut Familientitel für Constantin Hützler mit 59:39,58 Minuten in der AK 20 und Maximilian Hützler mit 1:00:56,93 Stunden in der AK 25. Der dritte Starter aus dem “Hützler-Clan”, Alexander, belegte in derAK 20 Rang fünf (1:08:29,54). Überaus spannend war die 2,5-KilometerEntscheidung in der AK 40. Thomas Kipp (DSW 12 Darmstadt) hatte nach 32:41,71 Minuten keine vier Sekunden Vorsprung vor dem Viertplatzierten. Ältester Starter war in der AK 70 Karl-Ludwig Rehn (AMTV Hamburg), der in 49:24,27 Minuten zum Sieg kam. Bei den Frauen, die sich bei ihren abendlichen zwei Runden über so manche heftige Welle beschwerten, war Kerstin Döll (TV Ohligs) als Schnellste im Ziel. Sie siegte in der AK 20 nach 33:59,81 Minuten. Mehr als doppelt so lange war Sigrid Nowak (TSV Zirndorf) mit 1:11:49,11 Stunden bei ihrem Sieg in der AK 70 als älteste Starterin bei den Frauen unterwegs.
Orientierung ist alles - besonders beim Freiwasserschwimmen. Damit hatte beim Fünf-Kilometer-Wettbewerb einige Koryphäen ihre ” leichten ” Probleme. Als der Lauf mit den “älteren Herrschaften” auf die Vier-Runden Reise geschickt wurde, übernahm zunächst Frank Gomoll (SG Gladbeck) aus der AK 45 das Kommando für das Feld - und schlug prompt die falsche Richtung ein. Statt auf die rechte Ecke des Dreieckskurses zu navigieren, peilte er gleich die linke Boje an und hätte eine nicht unbeträchtliche Abkürzung genommen. Dank des energischen Eingreifens von Kampfrichtern konnte er wieder auf den richtigen Weg geschickt werden. Dort hatte sich inzwischen “Fast-Lokalmatador” Michael Kleiber (SK Sparta Konstanz) und ebenfalls AK 45 an die Spitze gesetzt. Prompt kam auch er auf dem Weg zum Wendepunkt nach der ersten Runde vom Kurs ab und musste ebenfalls in “die Schranken” verwiesen werden. Einen Einfluss auf das Ergebnis in dieser Altersklasse hatte es aber nicht. Bei einer Wassertemperatur von nur noch 19,1 Grad holte sich Michael Kleiber nach 1:04:42,96 Minuten den Titel - vor Frank Gomoll (1:10:02,99), der bereits über 2,5 Kilometer zu Meisterehren gekommen war. Ältester Starter war in der AK 75 der ebenso alte Peter Kalmar (SG Hamburg-West), der sich nach 1:51:21,71 Minuten nicht nur viel Respekt verdiente, sondern an seine langen, langen Erfolgsfahnen einen weiteren Titel anheften konnte. Bei den Frauen hatte offenbar Arlette Alexander die beste Ortskenntnis, startet sie doch für SK Sparta Konstanz von der anderen Seite des “Schwäbischen Meers”. Sie siegte in der AK 30 nach 1:08:55,78 Minuten. Wie in den vergangenen Jahren am längsten von Paddelbooten umringt war wiederum Haide Klüglein (SK Flensburg), die sich in der AK 70 nach 2:14:36,11 Stunden den Titel sicherte.
Staffel-Premiere im “Eiswasser”
Wassergott Neptun war dann den Akteuren aber nicht mehr sonderlich wohl gesonnen, als für die “Oldies” eine Staffel über 3×1.250 Meter auf dem Programm stand (je ein “Männlein” und ein “Weiblein” waren Pflicht der dritte Teilnehmer konnte frei gewählt werden). Es hatte in der Nacht am Bodensee rund um Lindau nochmals kräftig geregnet und so zeigte um 8.00 Uhr morgens das Thermometer “schlappe” 16,6 Grad - Celsius wohlgemerkt. Für Masters laut Reglement zu kalt - dort sind 18 Grad vorgeschrieben. Doch so leicht sind diese trotz ” Eiswasser” nicht unterzukriegen und es wurde der Start um zwei Stunden auf 11.00 Uhr verschoben. Da inzwischen immer wieder die Sonne durch die dicken, grauen Wolken blinzelte waren es zur neuen Startzeit 17,6 Grad. 15 Mannschaften (ursprünglich hatten 17 ihre Meldung abgegeben) machten sich zur Premiere des Wettbewerbs fröstelnd auf die ” Reise” in den See. Auf dem inzwischen bekannten Rundkurs von 1.250 Metern und auf dem bereits seit einer Stunde die ” Ultras” ihre Kreise drehten. Statt 25 Kilometer hatte man bei ihnen angesichts der Wetterkapriolen auf 15 Kilometer verkürzt.
Trotz der Wassertemperaturen, die eigentlich nicht zum Schwimmen einluden, machte es den Teilnehmern sichtlich Spaß und der Staffelwettbewerb kann bei den Masters durchaus Zukunft haben. In die Geschichtsbücher des DSV schwammen sich Jenny Wachsmuth, Christian Pfeffer und Ralf Hildebrandt vom Dresdner SC (und in derVorwoche in Magdeburg bei den Masters-Meisterschaften der “Kachelzähler” schon reichlich mit Titeln und Plätzen dekoriert) waren in der AK 120 und jünger nach 50:10,55 Minuten im Ziel. In der AK 121 und älter ging der Titel mit 52:25,21 Minuten an Alexey Pryakhin, Annelie Maas und Frank Gomoll von der SG Gladbeck. Allerdings
war das Rennen über weite Strecken kein Zuckerschlecken, fegte doch zeitweise ein eiskalter Wind über den Bodensee und auch der Himmel öffnete kurzfristig seine Schleusen. Da half auch kaum eine mehr als dicke Schicht Vaseline. Als aber DSV-Vizepräsiderit Andreas Felchle (Maulbronn) und Isolde König (Halle/Saale) als zuständige Referentin in der Fachsparte Masters die Siegerehrung vornahmen, waren alle Mühen, Wetterunbilden, “Frostbeulerl” und Anstrengungen vergessen. Vielmehr frotzelte man schon darüber, ob man in Zukunft nicht einen Staffelstab mit auf die Runde nehmen sollte. Es wird aber sicher beim Abklatschen in der “Wechselzone” bleiben.
Hans-Peter Sick